823.111

Verordnung
zur Reinhaltung der Luft

(Lufthygieneverordnung, LHV)

vom 25.06.2008 (Stand 01.01.2015)
Der Regierungsrat des Kantons Bern,

gestützt auf Artikel 7 Buchstabe d des Gesetzes vom 16. November 1989 zur Reinhaltung der Luft (Lufthygienegesetz, LHG[1]),

auf Antrag der Volkswirtschaftsdirektion,

beschliesst:
1 Allgemeines
Art. 1
Gegenstand
1

Diese Verordnung regelt den Vollzug der eidgenössischen Vorschriften zur Luftreinhaltung sowie des LHG.

2

Der Vollzug der Luftreinhaltung bei Feuerungsanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung bis zu einem Megawatt, die mit Heizöl «Extra-leicht» oder Gas betrieben werden, wird in der Verordnung vom 14. April 2004 über die Kontrolle der Feuerungsanlagen mit Heizöl «Extra leicht» und Gas (VKF[2]) geregelt.

Art. 2
Zuständigkeit
1

Das Amt für Berner Wirtschaft (beco) ist die zuständige Stelle der Volkswirtschaftsdirektion (Art. 9 LHG).

2

Es überwacht den Stand sowie die Entwicklung der Luftverunreinigung und orientiert die Öffentlichkeit.

Art. 3
Übertragung von Aufgaben an Private
1

Das beco kann mit einer Leistungsvereinbarung Aufgaben an Unternehmen oder Organisationen übertragen, sofern diese über die notwendigen fachlichen, instrumentellen und personellen Voraussetzungen verfügen.

2

Die Leistungsvereinbarung regelt, ob und in welchem Umfang der Kanton Beiträge an die übertragenen Aufgaben leistet.

Art. *
Messungen
1

Messungen sind aufgrund der Messempfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) durchzuführen (Emissions-Messempfehlungen für stationäre Anlagen, Version 2013).

2

Für die Emissionsmessungen bei den Gasrückführungssystemen an Benzintankstellen ist die Empfehlung Nr. 22 (Version 2012) der Schweizerischen Gesellschaft der Lufthygiene-Fachleute (Cercl‘ Air) verbindlich.

Art. 5
Massnahmenpläne
1

Das beco bereitet die Massnahmenpläne vor und führt das Konsultationsverfahren durch.

2

Das Verfahren zum Erlass und zur Genehmigung der Richtpläne ist sinngemäss anwendbar.

3

Das beco führt ein Controlling über die Zielerreichung.

2 Finanzhilfen
Art. 6
Durchsetzen der Massnahmenpläne
1

Finanzhilfen für das Durchsetzen der Massnahmenpläne stützen sich auf Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a LHG.

2

Ihr Umfang richtet sich nach der Bedeutung des Vorhabens für die Erreichung der Ziele der Massnahmenpläne.

3

Für kleinere Vorhaben können sie in der Form einer Pauschale bis höchstens 10'000 Franken ausgerichtet werden.

Art. 7
Aus- und Weiterbildung
1

Finanzhilfen für die Aus- und Weiterbildung können an Berufsorganisationen für Kurse und Veranstaltungen ausgerichtet werden, soweit sich diese nach Abzug angemessener Teilnahmebeiträge nicht kostendeckend durchführen lassen.

Art. 8
Forschungsprojekte
1

Finanzhilfen für Forschungsprojekte können ausgerichtet werden, wenn diese entweder Untersuchungen im Kanton Bern zum Gegenstand haben oder wichtige Erkenntnisse für den Vollzug der Massnahmenpläne liefern.

Art. 9
Ausserordentliche Aktionen
1

Ausserordentliche Aktionen zur Reinhaltung der Luft sind Aktionen von Behörden, Branchenverbänden oder Nonprofit-Organisationen, die die Bevölkerung für die Luftreinhaltung sensibilisieren oder ein umweltgerechtes Verhalten fördern.

Art. 10
Rechtsanspruch
1

Es besteht kein Rechtsanspruch auf Finanzhilfen.

Art. 11
Verfahren
1

Gesuche um Finanzhilfe sind mindestens drei Monate vor dem Beginn des Projekts beim beco einzureichen.

2

Dem Gesuch sind insbesondere ein Projektbeschrieb und der Finanzierungsnachweis beizulegen.

3

Nach Abschluss des Projekts ist über dessen Umsetzung und über die Verwendung der Finanzhilfe Bericht zu erstatten.

3 Feste Brennstoffe
Art. 12
Kontrolle zur Einhaltung der Brennstoffvorschriften
1

Die Kreisinhaberinnen und -Inhaber des Kaminfegerkreises kontrollieren anlässlich der brandschutztechnischen Kontrolle alle Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe, indem sie

a den Feuerraum und die Asche auf Rückstände kontrollieren, die auf die Verbrennung unzulässiger Brennstoffe hinweisen,
b die Brennstoffvorräte kontrollieren.
2

Zusatzanlagen wie Cheminées oder Schwedenöfen, die nur gelegentlich in Betrieb sind und deshalb nur in Absprache mit den Benutzerinnen und Benutzern gereinigt werden, sind mindestens einmal in vier Jahren zu kontrollieren.

Art. 13
Beanstandungen
1

Die Kreisinhaberinnen und -Inhaber orientieren bei Beanstandungen die Anlagebetreiberin oder den Anlagenbetreiber über die Vorschriften.

2

Muss die Anlage bei der nächsten Kontrolle wieder beanstandet werden, orientieren sie die Gemeinden mit einem Kontrollformular und entnehmen eine Ascheprobe.

Art. 14
Abklärungen und Massnahmen
1

Bei Hinweisen aus der Bevölkerung oder Orientierung über Beanstandungen gemäss Artikel 13 treffen die Gemeinden die erforderlichen Abklärungen.

2

Dazu können sie die Kreisinhaberinnen und -Inhaber beiziehen. Diese sind nach den Stundenansätzen der Verordnung vom 1. November 2006 über die Kaminfegertarife[3] zu entschädigen.

3

Liegt ein falsches Verhalten vor, erlassen die Gemeinden eine kostenpflichtige Ermahnung oder erstatten Strafanzeige und treffen die weiteren erforderlichen Massnahmen.

4

Sie orientieren das beco über die getroffenen Massnahmen.

Art. 15
Gebühren
1

Die Gebühren der Kreisinhaberinnen und -Inhaber betragen für

a Kontrollen je Haushalt: CHF 10
b Beanstandungen (inkl. Kontrolle): CHF 10 bis 30
c Meldung an die Gemeinde (inkl. Aschenprobe und Kontrolle): CHF 60
2

Soweit die Gemeinden keine eigene Regelung getroffen haben, betragen ihre Gebühren für

a Ermahnungen: CHF 50
b Strafanzeigen: CHF 100
3

Zusätzlich zu den Gebühren nach Absatz 2 sind die Aufwendungen für Abklärungen gemäss Artikel 14 Absatz 2 und für Expertisen in Rechnung zu stellen.

4 Mindesthöhe von Kaminen
Art. 16 *
5 Schlussbestimmungen
Art. 17
Änderung eines Erlasses
1

Die Verordnung vom 14. April 2004 über die Kontrolle der Feuerungsanlagen mit Heizöl «Extra leicht» und Gas (VKF[4]) wird wie folgt geändert:

Art. 18
Aufhebung eines Erlasses
1

Die Verordnung vom 23. Mai 1990 über den Vollzug des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft (LHV) (BSG 823.111) wird aufgehoben.

Art. 19
Inkrafttreten
1

Diese Verordnung tritt am 1. September 2008 in Kraft.

Bern, 25. Juni 2008

Im Namen des Regierungsrates

Die Präsidentin: Egger-Jenzer

Der Staatsschreiber: Nuspliger

08-80
  1. [1] BSG 823.1
  2. [2] BSG 823.215.1
  3. [3] BSG 871.56
  4. [4] BSG 823.215.1

Änderungstabelle - nach Beschluss

Beschluss Inkrafttreten Element Änderung BAG-Fundstelle
25.06.2008 01.09.2008 Erlass Erstfassung 08-80
18.06.2014 01.01.2015 Art. 4 geändert 14-65
18.06.2014 01.01.2015 Art. 16 aufgehoben 14-65

Änderungstabelle - nach Artikel

Element Beschluss Inkrafttreten Änderung BAG-Fundstelle
Erlass 25.06.2008 01.09.2008 Erstfassung 08-80
Art. 4 18.06.2014 01.01.2015 geändert 14-65
Art. 16 18.06.2014 01.01.2015 aufgehoben 14-65